Bistum Dresden-Meißen Junge Katholiken starten Petition gegen Diskriminierung

Es ist nicht ganz leicht für junge Menschen, sich heutzutage als Katholik zu outen. Sich zu einer Kirche zu bekennen, die wegen sexualisierter Gewalt, Vertuschung und Machtmissbrauch in ihren Reihen viel Glaubwürdigkeit verspielt hat. Das geht auch jungen Katholiken in der Region Chemnitz so – doch sie wollen sich nicht damit abfinden: Sie wollen ihre Kirche verändern und sammeln deshalb Unterschriften gegen die Diskriminierung von Frauen und homosexuellen Menschen. Andreas Roth berichtet.

Impressionen vom 100. Katholikentag in Leipzug
Wollen ihre Kirche von Innen heraus verändern: hier Jugendliche auf dem Katholiken-Tag 2018 in Münster Bildrechte: Katholikentag

Man steigt weit hinab, will man den Jugendkeller der katholischen Gemeinde Sankt Johannes Nepomuk in Chemnitz erreichen.

Ziemlich weit unten ist auch die Katholische Kirche: nach unzähligen Fällen von sexualisierter Gewalt, von Machtmissbrauch und Diskriminierung. Dabei ist diese Kirche für junge Menschen wie Clemens Kannegießer aus der katholischen Gemeinde auch etwas ganz Anderes.

Für ihn ist sie ein Zuhause. Vor zwei Jahren hat er zusammen mit anderen den ganzen Jugendraum renoviert, alles wurde neu gemacht.

Das würden der 20-jährige Student und seine Freunde gern auch mit ihrer ganzen Kirche tun. Wie dringend notwendig das ist, spüren die junge Katholiken oft.

"Unter Freunden gibt es natürlich große Vorurteile, wenn man sagt, dass man Katholik ist. Es gibt da einen Anstoß von außen, weil wir Freunde haben, die die Kirche aus unterschiedlichsten Gründen verlassen haben und dann meist in die politische Arbeit wechseln.“

Gläubige verfolgen einen Gottesdienst in der römisch-katholischen Kathedrale St. Sebastian. 6 min
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Offiziell sind Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche verboten. In Magdeburg wurden am Dienstag dennoch queere Paare in der Kathedrale gesegnet.

MDR KULTUR - Das Radio Do 12.05.2022 17:47Uhr 06:27 min

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Petition gegen Diskriminierung in der katholischen Kirche

Jetzt haben sieben Jugendliche der katholischen Jugend von Chemnitz einen ziemlich großen Stein ins Rollen gebracht: Sie sammeln mit einem offenen Brief Unterschriften gegen die Diskriminierung von Frauen und homosexuellen Menschen in ihrer Kirche. Aaron Lidzba aus Limbach-Oberfrohna hat ihn mitgeschrieben – auch er kennt den Gedanken an Kirchenaustritt.

Aber ich bin der Meinung, die auch in unserem Brief vertreten wird: Es bringt nichts auszutreten und dann von außen auf die Kirche zu meckern – sondern vielmehr sollte diese Bewegung von innen heraus passieren.

Aaron Lidzba

Seit über einem Jahr planten die jungen Katholiken aus der Region Chemnitz ihre Unterschriftensammlung. Warum dürfen Frauen eigentlich keine Priesterinnen sein, fragt ihr Brief – und das fragt sich auch die 16-jährige Emily Henning aus Wechselburg.

Sie ist gegen die überkommene Geschlechterrollen, an der ihre Kirche festhält. "Gott liebt doch jeden Menschen gleich", meint die junge Frau.

Auch die Diskriminierung homosexueller Partnerschaften in ihrer Kirche ist für die jungen Katholiken aus der Zeit gefallen. Vor allem aber widerspreche sie dem Evangelium, meint der 16-jährige Chemnitzer Benedikt Klafki.

"Ich stehe ganz klar dafür, dass Gott alle Menschen gleich liebt, dass die Nächstenliebe das wichtigste Gebot in der katholischen Kirche ist. Daraus schlussfolgere ich, dass alle Menschen gleichberechtigt sein sollten."

Stress wegen Offenem Brief

"Es gab Menschen aus den Gemeinden, die sind an die Ortskirchenratsmitglieder herangetreten und meinten, dass es falsch ist, für Sünde Unterschriften zu sammeln. Und dass Homosexualität Sünde ist", berichtet Silas Gödel, Jugendsprecher der Chemnitzer Gemeinde.

Insgesamt war das Echo auf die Petition überwiegend positiv. In vielen katholischen Gemeinden des Bistums Dresden Meißen wurde der Offene Brief verlesen – über 600 Menschen haben dort und auf der Internetplattform change.org bisher unterschrieben. Auch Priester sind unter den Unterzeichnern. Bis Ende Mai soll die Aktion noch laufen. Im Juli wollen die jungen Katholiken ihren Brief dann Bischof Heinrich Timmerevers übergeben, sagt Aaron Lidzba und lächelnd fügt er hinzu:

Die Bereitschaft etwas zu verändern ist in den Gemeinden auf jeden Fall da. Ich denke: Die Kirche ist zwar sehr langsam mit ihren Reformen – aber irgendwann wird dieser Schritt wahrscheinlich kommen. Ich hoffe, dass ich es noch erleben werden.

Aaron Lidzba

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion und Gesellschaft | 15. Mai 2022 | 09:00 Uhr