Arbeitsmarkt Sachsen-Anhalt setzt auf Verbeamtung

Im Kampf um Fachkräfte möchte sich das Land Sachsen-Anhalt neu aufstellen. Eine fünfköpfige "zentrale Stelle für Personalmanagement" soll ein neues Karriereportal erarbeiten. Man möchte dort mit dem Beamtenstatus werben. Vom Städte- und Gemeindebund gibt es dafür Kritik.

Hefter mit der Aufschrift "Fachkräftemangel"
Das Land Sachsen-Anhalt möchte mit einer zentralen Servicestelle attraktiver für Fachkräfte werden. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

"Zeit, sich zu entstauben", so könnte der Slogan von Sachsen-Anhalts neuer Servicestelle für Nachwuchsgewinnung lauten. Fest steht, dass es auf jeden Fall Zeit war zu handeln, findet der stellvertretende Landesvorsitzende des Beamtenbundes, Ulrich Stock: "Wir stellen uns als Arbeitgeber Land einfach nicht gut dar. Wir haben deutliche Defizite im Social-Media-Bereich. Wir haben deutliche Defizite im Berufsfeldfinder. Wir haben uns da viel zu sehr darauf verlassen, dass die Arbeitsagentur den Leuten erklärt, was wir machen".

Zentrale Stelle für Personalmanagement entsteht

Deshalb soll nun im Innenministerium eine fünfköpfige "zentrale Stelle für Personalmanagement" entstehen. Neben einem Arbeitgeberprofil der Landesverwaltung, soll auch ein gut durchsuchbares Online-Karriereportal erstellt werden. Bisher hatte jedes Ministerium für sich Stellen ausgeschrieben.

Kritik vom Städte- und Gemeindebund

Dass dabei nun großzügig mit dem Beamten-Status gelockt werden soll, ist vor allem dem Städte- und Gemeindebund ein Dorn im Auge. Wir kannibalisieren uns selbst, sagte der Landesgeschäftsführer Bernward Küper der Mitteldeutschen Zeitung. Er beobachte eine harte Konkurrenz auch innerhalb der Verwaltung. Kleine Verwaltungen, die selbst ausbilden, verlieren demnach Mitarbeiter.

Landkreistag begrüßt die Verbeamtungspläne

Beim Landkreistag teilt man diese Sorge nicht. "Wir sind natürlich auch an einer starken Landesverwaltung interessiert und das würde ich jetzt nicht in Konkurrenz sehen", sagte der Geschäftsführer des Landkreistages Sachsen-Anhalt, Heinz-Lothar Theel.

Eine zunehmende Verbeamtung sei auch für die Kommunen interessant und wichtig. "Das ganze System muss eben stabil bleiben, denn Beamte bekommen irgendwann Pension und dann brauch ich auch neue Beamte, die diese Pension dann mittragen."

Er könne die Initiative des Landes voll und ganz nachvollziehen. Zumal in den nächsten Jahren etliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Rente gehen. Die Landkreise seien deshalb bereits aktiv geworden: Mit der Hochschule Harz bieten sie einen dualen Studiengang an und in den Schulen werben sie früh um Nachwuchs.

Beamtenbund: Besser spät als nie

Besser spät als nie, findet Ulrich Stock vom Beamtenbund Sachsen-Anhalt. 20 Jahre lang habe das Land den Nachwuchs vernachlässigt: "Die müssen jetzt etwas aufbauen, was eigentlich jeder vernünftige Arbeitgeber schon längst hat: Eine Arbeitgebermarke, die es jungen Menschen oder Quereinsteigern, Berufswechslern einfach einfacher macht, sich darüber zu informieren: Was bietet der eigentlich?".

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Sicherer Arbeitsplatz unter Schülern weiterhin wichtig

Dass man als Landesverwaltung und auch mit dem Beamtenstatus heutzutage noch punkten kann, beobachtet Regina Flake. Sie ist Teamleiterin im Kompetenzzentrum "Fachkräftesicherung" des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Man müsse aber modern denken.

So zeigten Befragungen von Schülern: "Dass der Punkt ein sicherer Arbeitsplatz immer noch unter den ganz vorderen Plätzen mit rangiert. Und neben dem Aspekt wird auch das Thema Vereinbarkeit für immer mehr Menschen wichtig. Dass man einfach sein Privatleben und das Berufsleben anders verknüpfen will, dass einem Reisen sehr wichtig ist, dass man auch mal Auszeiten haben will".

Und genau das müssten die Arbeitgeber im Buhlen um die Fachkräfte deutlich machen, so Flake. Die neue Servicestelle der Landesverwaltung Sachsen-Anhalt nimmt seine Arbeit dann am 1. Juli auf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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